Vor über einem Jahr war ich das letzte mal in dieser Stadt. Es ist ein fantastisch seltsames Gefühl durch diese Strassen zu laufen, die einem so vertraut sind. Und doch ist man hier nur Gast. Mit einer kindhaften Neugier sauge ich das alles in mich auf, schaue genau hin, bleibe stehen. Es ist irgendwie warm und kalt zugleich, ich spüre ein Lächeln auf meinem Gesicht und eine Träne im Augenwinkel. Ich schiebe das auf den Wind, der kühl vom Hafen her weht. Voller Erwartung schaue ich in die vielen Gesichter die mir begegnen. Irgendwie könnte es ja sein, dass man das Gesicht kennt. Einige schauen grimmig zurück. Um mich herum ist Weihnachten. Die Lichter leuchten, Kollegen und Freunde treffen sich auf einen Glühwein, viele hasten an mir vorbei, wohl auf der Suche nach dem Geschenk – oder nach einfach nach irgendwas, ist halt Weihnachten. Ein Paar steht neben mir, kuschelt und teilt sich einen Glühwein. Ich bin allein. Stehe mitten in dem Geschehen und sauge all das tief in mich hinein. Vor zwei Jahren gab es an dieser Stelle Gyros in Pita. Für zwei. Jetzt steht vor mir ein Teller Grünkohl mit Pinkel. Ich hatte mich schon die ganze Woche darauf gefreut. Ich geniesse es dort zu stehen, geniesse es den Teller langsam zu leeren, geniesse den Anblick, der sich mir bietet, geniesse dieses seltsame Gefühl in mir. Ich nehme einen Umweg zurück zum Hotel, will all die bekannten Plätze sehen, die kleinen Büdchen genau bestaunen, die Lichter auf mich wirken lassen. Daheim dann davon erzählen. Frohe Weihnachten.