herbst

October 27th, 2008

der regen tropft leise von draussen an das beschlagene fenster. der wind spielt mit den ersten blättern auf der straße. hastig rennt sie gegenüber zum auto. die sonne schickt ihre letzten strahlen des tages durch die wiegenden bäume. am horizont verhüllt nebel die berge. mein blick geht hinüber zu dem bild auf dem schreibtisch. wie musik fliegen die gedanken, wie farben vermischen sie sich und lassen etwas wunderbares entstehen. der hund zieht an seiner leine, will schneller nach hause. der mann zieht den reissverschluss und den kragen höher. eine fantastische komposition entfaltet sich vor meinen augen. vergangenes schiebt sich in das bewusstsein, man will es greifen, festhalten. der letzte sommer, das vergangene jahr. der duft verwelkter blumen steigt in die nase. knisternd und flackernd erwachen die straßenlaternen zum leben. schwach erhellt ihr schein das zimmer. sitzen, fühlen, atmen, teilen. leben.

rühmann

September 16th, 2008

ich habe rühmann getroffen. wir sassen beim tee, haben ueber filme geschnackt, er zeigte mir seinen garten. dann hat er mich seiner frau vorgestellt. er lächelte die ganze zeit. ein schoenes häuschen hat er auch gehabt. er schwärmte viel vom fliegen. er teilte einige geheimnisse der schauspielerei. die leisen töne! die leisen töne, die sind wichtig. dann hat er wieder gelächelt. still. faszinierend.

reflexion

July 31st, 2008

ich hatte mich immer gefragt, wie das so ist, wenn man so einen anruf bekommt. wer, was wird man denken, wie fuehlen, wie reagieren? dann war es soweit. und es war - komisch. die vorstellung, dass der mensch jetzt nicht mehr ist, den man kannte. den man noch vor kurzem nach langer zeit wiedergesehen hat. wohl abschied genommen hat. das gehirn sucht nach bildern, nach erlebnissen, nach erklaerungen. und man selbst sitzt einfach nur da und schweigt. laesst das um sich herum einfach alles passieren und ignoriert es. hilflosigkeit, trauer, einsicht. alles auf einmal. mach’s gut. und aerger die engel nicht so sehr.

andere sichten

May 7th, 2008

Einfach mal nur mal so sich in den Wagen setzen und los fahren. Irgendwo hin. Das Land in sich aufsaugen. Die Landschaft angucken. Die Menschen. Irgendwo anhalten, “Ah” und “Oh” sagen. Die Zeit ganz langsam laufen lassen. Das hat was. Nicht auffallen und trotzdem anders sein. “Zuhause” ganz neu definieren, sich dabei gluecklich anstrahlen und zufrieden sein. Am Wasser sitzen, der Sonne beim Leuchten zusehen, das Salz riechen. Irgendwo in den Waeldern die Riesen bestaunen, sich winzig vorkommen und sich dabei an die Hand nehmen und die naechsten Schritte in dieses fantastisch Unbekannte setzen. Am Morgen die Augen oeffnen und sich freuen, auf was immer da kommt.

kreativitätsanzeige

May 5th, 2008

die kreativität der melancholie. das ist doch mal eine ueberlegung wert. melanie sass neben mir und spickte mir diese zettelchen zu: sauber abgeheftet alles, mit post-its versehen. schoen. aber warum das alles? pitt und patt damals waren auch einfach so da. nachts irgendwann. hatten nicht angeklopft. lagen da einfach so rum. und die gedanken flossen, flossen einfach so. all das gespinne im hirn, all die kreativitaet, die auch auf der bühne nicht wirklich kanalisiert werden konnte. wo ist die denn nu hin? hat die einfach so ihre koffer gepackt und ist weitergezogen? oder haben wir die vergessen einzupacken bei einem der umzüge? sitzt sie vermutlich noch zitternd auf dem balkon? oder auf dem sperrmüll zusammen mit all dem anderen kram, der sich im leben ansammelte. kann da mal einer nachsehen? ich ruf’ heute abend mal pitt und patt an. vielleicht haben die die kreativität auch einfach mitgenommen und sie liegen jetzt zusammen da draussen rum. weiss man ja nicht.

kompott

March 5th, 2008

Morgen abend koche ich Preiselbeeren ein. Das muss doch auch mal aufhören, dieses Gelaber ständig. Ich nehme dann einfach einen Pinsel und ritsch, ratsch, fertig. Oben waren sie auch schon den ganzen Tag am Fluchen: Ich will nicht, ich will nicht. Was für ein Geseier. Aber ich habe ja Geduld. Ich nehme mir ein warmes Bier und schau raus. Wird immer wärmer. Also draussen. Ganz kleinlaut war der Gartenzwerg, als ich ihn fragte, wohin er dieses Jahr in den Urlaub fährt. Wüsste er noch nicht. Dabei habe ich ihn gestern noch erwischt, wie er im AAA-Magazin blätterte. Ganz hinten kann man jetzt schon sehen, wie das alles mal aussehen wird. Nicht so gross und wuchtig wie man immer gedacht hat. Nein! Im Gegenteil. Da fällt mir ein, dass die Gläser noch gar nicht sauber sind. Man hat so viel zu tun heute. Einfach zu viel! Da muss ich jetzt doch noch mal raus und Besteck kaufen. Der Gartenzwerg blinzelt mich so komisch an. Ob der was weiss? Naja, bald ist ja Schluss mit dem ganzen Unsinn. Freu mich schon drauf. Und morgen abend koche ich Preiselbeeren ein.

volkslieder ala grebe

February 28th, 2008

hinter einer lokusmauer sass der doktor adenauer, hatte kein papier - raus mit dir!

eine apfelsine pro jahr und ein kilo bananen - das war die ddr! die gibt es jetzt nicht mehr!

ich geh mich jetzt kringeln…

hier

Das Leben ist schön

December 31st, 2007

Die Sonne scheint. Die Vögel zwitschern. Die Blumen blühen. Kinder spielen auf der Straße. Die Dekoration zu Weihnachten ist an vielen Häusern noch nicht abgenommen … Moment mal … Deko zu Weihnachten? Kinder spielen auf der Straße? Blumen blühen? Jawohl. Das Leben kann so schön sein.

gyros in pita

December 13th, 2007

Vor über einem Jahr war ich das letzte mal in dieser Stadt. Es ist ein fantastisch seltsames Gefühl durch diese Strassen zu laufen, die einem so vertraut sind. Und doch ist man hier nur Gast. Mit einer kindhaften Neugier sauge ich das alles in mich auf, schaue genau hin, bleibe stehen. Es ist irgendwie warm und kalt zugleich, ich spüre ein Lächeln auf meinem Gesicht und eine Träne im Augenwinkel. Ich schiebe das auf den Wind, der kühl vom Hafen her weht. Voller Erwartung schaue ich in die vielen Gesichter die mir begegnen. Irgendwie könnte es ja sein, dass man das Gesicht kennt. Einige schauen grimmig zurück. Um mich herum ist Weihnachten. Die Lichter leuchten, Kollegen und Freunde treffen sich auf einen Glühwein, viele hasten an mir vorbei, wohl auf der Suche nach dem Geschenk - oder nach einfach nach irgendwas, ist halt Weihnachten. Ein Paar steht neben mir, kuschelt und teilt sich einen Glühwein. Ich bin allein. Stehe mitten in dem Geschehen und sauge all das tief in mich hinein. Vor zwei Jahren gab es an dieser Stelle Gyros in Pita. Für zwei. Jetzt steht vor mir ein Teller Grünkohl mit Pinkel. Ich hatte mich schon die ganze Woche darauf gefreut. Ich geniesse es dort zu stehen, geniesse es den Teller langsam zu leeren, geniesse den Anblick, der sich mir bietet, geniesse dieses seltsame Gefühl in mir. Ich nehme einen Umweg zurück zum Hotel, will all die bekannten Plätze sehen, die kleinen Büdchen genau bestaunen, die Lichter auf mich wirken lassen. Daheim dann davon erzählen. Frohe Weihnachten.

Outer Space Day

November 16th, 2007

Das Wort “Alltag” hat sogar einen Eintrag in Wikipedia. Beachtlich, nicht wahr? Routinemäßige Abläufe geben der nahen Umgebung einen familiären Anstrich. Find ich prima und daher ist es auch einen Eintrag hier im Blog wert.

es wackelt

October 30th, 2007

Interessante Erfahrungen auch abends noch: Die Bude wackelt. Aber gewaltig. Ein Beben der Staerke 5.6.

Puzzlespiel

October 25th, 2007

Hier … ne, da … mist, passt nicht … uffz, Ecke fertig … wo ist denn nur … wenn ich die Ecke umknicke … ne, nicht gut … nichts erzwingen … hatte ich nicht gerade … ah, warum nicht gleich so … hab ich es nicht gesagt? … wäre das Leben doch so einfach und klar wie ein Puzzlespiel!

fast schön

September 14th, 2007

Die schmutzigen Hände wischt er sich am Hemdzipfel ab, schiebt sich die Kappe in den Nacken und fährt mit dem Rücken der Hand über die nasse Stirn. Über mir wiegt sich die Palme leicht in der morgendlichen Brise. Er nimmt den Bündel Dollarscheine, verabschiedet sich kurz und konzentriert sich auch schon wieder auf den nächsten Kunden der kleinen Werkstatt an der Ecke. Ich schiebe meinen Klappstuhl weiter in den Schatten, lehne mich zurück und warte. In der Luft liegt der Duft von Meer, Öl, Benzin und gebratenem Huhn. Der Chinese schräg gegenüber fängt wohl an das Mittag vorzubereiten. Ich gucke in die Luft, sehe die Blätter im Wind schaukeln. Unverständliche Wortfetzen dringen von drüben herüber. Ich bin nicht gemeint. Ich muss noch warten. Aber irgendwie ist das egal. Fast wie Urlaub. Ein bisschen. Irgendwie.

aufbruch reloaded

August 28th, 2007

Und schon wieder packt man die ganzen Sachen zusammen, verstaut alte Erinnerungen. Schliesst die Kartons, die das Leben beinhalten. Laesst den Kram verstauen und schaut hinterher. Wehmuetig. Zuversichtlich. Hoffend. Man wuenscht sich, dass das nicht zur Routine wird. Nur noch wenige Stunden trennen einem vom Neuen. Aufregend. Ich kann das Wasser schon wieder riechen …

traumhaft

August 17th, 2007

dinner with friendsMit ein paar Freunden an einem Ort sitzen, an dem man schon vor etlichen Jahren sass, sich damals schon ausgemalt hat, wie es wohl waere fuer immer hier zu sein. Zumindest fuer laenger. Nicht zurueck zum Flughafen zu muessen, sondern quasi einfach die Strasse runter. Nach hause. Verruecktes Gefuehl damals. Voellig unrealistisch. Und heute? Immernoch ein verruecktes Gefuehl. Absurde Vorstellung, voellig unwirklich und nicht zu fassen. Und doch real.

heimat

June 28th, 2007

shenandoahVor einiger Zeit hat jemand gefragt, ob ich Europa vermisse. Ich musste nachdenken. Lange. Ich musste passen. Irgendwie ist man ueberhaupt nicht dazu gekommen, sich darueber Gedanken zu machen. Ueber Heimat. Jenseits von “da komm ich her”. Es gibt soviel Dinge, so viele Sachen im Kopf. Es ist alles neu, ja, aber auch alles anders. Alles interessant. Zu entdecken, zu lernen, Perspektiven zu verstehen. Natuerlich sind die so genannten Wurzeln noch die gleichen. Die “Heimat” noch die gleiche. Das wird sich mit Sicherheit auch nicht aendern. Aber muss man es vermissen? Es ist doch alles noch irgendwie da, greifbar. Die Frage kann ich wahrscheinlich noch immer nicht beantworten. Nicht mit einem einfachen “Ja” oder “Nein”.

plastiktütenbaguette

June 1st, 2007

Als der Typ da so am Baguettestand stand und merkte, dass das, was er gekauft hatte gar nicht in seine Tüte passte, rief ihm ein alter Kollege aus der hinteren Ecke zu, er solle doch einfach zwei davon kaufen und dann halbieren. Passte. Und ausserdem hatte er jetzt ein Baguette mehr - und das ohne Bezahlung. Beim Umdrehen, um sich auf den Weg zur Strassenbahn zu machen, verhakte die neue Brille. So war es ganz schön schwierig, den Blick für das Wesentliche dieser Welt zu behalten. Es war doch so schon schwierig, die ganzen unverständlichen Haltestellennamen auseinander zu halten. Und dann auch noch das: Der Schienenweg war versperrt durch eine rot-weisse Kette. Wie ein Gummi dehnte sie sich, als sich die Bahn dagegen stemmte, um dann plötzlich einfach abzubiegen und den grünen Hügel hinunter zu rasen. Das war ihm alles nichts. Allein mit Baguette und Plastiktüte machte er sich auf den Weg nach Hause. Er wollte doch nur essen, wollte doch nur allein sein. Das Geschehen rings um ihn war ihm völlig egal. All die Perfektionisten, die ihn überholten und doch nicht voran kamen. Egal. Inzwischen sass die Brille wieder. Er sah. Doch verstehen tat er es noch immer nicht.

far away so close

April 18th, 2007

Es ist schon ein etwas eigenartiges Gefuehl, wenn ein Ereignis, welches frueher weit weg gewesen waere, ploetzlich direkt nebenan stattfindet. Auch weil Kollegen und Bueronachbarn den Taeter kannten - oder mit Opfern befreundet waren.

loungefantasien

March 16th, 2007

Manchmal sitzt man einfach nur da, denkt darüber nach, was wohl wäre wenn, wenn nichts wäre. Die Sonne scheint einem dabei zu, während im Hintergrund ganz langsam das Flugzeug am Horizont verschwindet. Der Typ gegenüber hüllt sich in sonnige Gedanken. Wie verrückt trommelt die Arroganz am Kaffeetisch nebenan. Ihr Blackberry sprüht Funken. Weich und sanft fühlt sich das Leder schon lange nicht mehr an. Immer wieder die gleichen Gesichter, die gleichen Geschichten, die gleichen oerks. Die blecherne Stimme knarrt irgendwas über einen exotischen Ort. Auch nett, wenn man dort jetzt wäre. Die Realität siegt. Mit einem Quietschen schiebt sich der Wagen heran. Der Abfall muss ja irgendwo hin. Beim Verlassen halten Sie sich bitte rechts. Danke. Bitte. Man kann aber leider noch nicht los. Dort unterhält sich das chinesische Business. Zuhören, mehrere Minuten lang. Faszination und Ratlosigkeit. Ein bisschen lustig finden. Der dicke Typ schräg gegenüber holt sich bereits die vierte Portion Chips. Er kann es brauchen. Die Uhr glotzt einen von oben an. Sie scheint gar nicht verändert während all der Stunden. Der Blackberry sprüht noch immer.

Schnee

March 9th, 2007

Draußen liegt Schnee. Zum Glück liegt er draußen. Gedankenblitze. Gelber Schneeanzug. Kratzende Strumpfhose. Selbstgestrickte Mütze. Langer farbiger Schal. Die Kälte schneidet ins Gesicht. Der Schlitten wird immer schwerer zu ziehen. Aber einmal noch da hoch. Hoch auf den Berg. Die Beine kämpfen sich in Moonboots kuschelig eingemummelt Schritt für Schritt den Berg hoch. Andere überholen. Scheinen leichtfüßiger zu sein. Nicht mal die Hälfte geschafft. Kampfansage an die eigene Person. Los. Die Nase läuft. Taschentuch. Das würde nur aufhalten. Weiter geht’s. Schlitten zischen vorbei. Lachen. Kreischen. Weinen. Nase läuft immer noch. Pause. Ah. Gefunden. Nase putzen. Ein Blick zurück. Schon viel geschafft. Jetzt nur nach vorne blicken. Gedankenlos. Nur den Blick aufs Ziel gerichtet. … Endlich. Was für ein Ausblick. Schnell den Schlitten in Position. Und ab. Der Wind pfeift. Oh. Schon wieder unten. Wieder mal viel zu kurz.